
„Ich wollte endlich mein Sich-einen-Bart-wachsen-lassen-ins-Studio-einschließen-und-für-ein-paar-Wochen-einfach-nur-spielen-Album
machen“, sagt Ben Folds über „Songs For Silverman“, das
Nachfolgealbum von „Rockin’ The Suburbs“.
Aufgenommen im vergangenen Herbst in den gleichen RCA-Studios, die schon Johnny Cash, Elvis Presley und Carl Perkins benutzt haben, und produziert von Folds, präsentieren die elf „Songs For Silverman“ den Bassisten Jared Reynolds und den Schlagzeuger Lindsay Jamieson. „Dies ist ein Album, das wir in irgendeinem Wohnzimmer von Anfang bis Ende auf Klavier, Schlagzeug und Bass runterspielen könnten. Es ist gradlinig mit viel Gefühl.“
Nachdem er „Rockin’ The Suburbs“ und
die EP-Trilogie „Speed Graphic“, „Sunny Sixteen“ und
„Super D“ mehr oder weniger allein eingespielt hatte, wollte er
unbedingt wieder mit einer Band zusammenarbeiten, zum ersten Mal seit der
Auflösung von Ben Folds Five im Jahr 2000.
„Ich hatte einfach keine Lust mehr, immer nur für mich selbst zu spielen, ich war erschöpft“, sagt Folds rückblickend. „Als ich angefangen habe, nach den richtigen Musikern zu suchen, musste ich mich nicht lange umschauen. Lindsay ist ein völlig Verrückter an den Drums und Jared spielt Bass mit großer Leidenschaft, sie passen perfekt zu meiner Musik – und außerdem wohnen sie nicht weit weg von mir.“
Diese Erfahrung überzeugte Folds davon, das Soloalbum, das er im Frühling 2004 fertig gestellt hatte, im Herbst noch einmal neu aufzunehmen. Innerhalb von vier Wochen spielte das Trio die Songs des unveröffentlichten Albums neu ein und komponierte gleich noch ein paar weitere Songs.
„Wir haben das Album ziemlich schnell aufgenommen,
weil ich mit den Songs schon beim ersten Mal zufrieden war und weil wir keine
großen Veränderungen mehr vornehmen mussten“, erklärt
Folds. „Womit wir länger beschäftigt waren, hatte mit der
Performance zu tun, einen Take aufnehmen, Playback anhören und eine Gänsehaut
bekommen, wenn du merkst, dass du den Geist des Songs getroffen hast.“
Das erste Stück, das das Trio aufgenommen hat, war „Bastard“, eine druckvolle Untersuchung der wachsenden Führungselite junger Konservativer, in der Stimmen aus der Wahlnacht verarbeitet sind. „Winston Churchill hat einmal gesagt: ‚Wer im Alter liberal ist, hat keinen Verstand, und wer in seiner Jugend konservativ ist, hat kein Herz.’ Ich wollte etwas über die Erschöpftheit von Jugendlichen sagen, die schon mit achtzehn meinen, alles gesehen und gemacht zu haben. So sollte man nicht sein, wenn man jung ist. Man muss idealistisch bleiben, wenigstens für diese paar Minuten. Natürlich gibt es auch Menschen, die, wenn sie älter werden, offener sind, neugieriger. In diesem Song ist der alte Bastard eigentlich ein Teenager.“
„Landed“, die erste Single, ist ein klassisches Ben-Folds-Stück: geschmackvolle und dynamische Melodien, verbunden mit beschwörenden, poetischen Texten. „If you wrote me off, I’d understand it/ ’Cause I’ve been on some other planet/ So come pick me up, I’ve landed.“
Es geht darin um einen Freund von mir, der lange unter dem Einfluss seiner verrückten Freundin gestanden hat“, sagt Folds. „Ich hatte diese absurde Vorstellung, dass er auf seinem Weg zurück zur Realität auf einem Flughafen landet und einen Rückflug braucht für das Leben, das er hinter sich gelassen hat.“
„Sentimental Guy“ und „Gracie“, ein Song über Folds Tochter, sind die einzigen beiden Stücke, die vom ursprünglichen Album erhalten geblieben sind. Obwohl Folds geplant hat, alles noch einmal aufzunehmen, konnten Reynold und Jamieson ihn davon überzeugen, diese beiden Songs so zu lassen. „Ich lege wirklich viel Wert auf ihre Meinung, die trauen sich auch mir zu sagen, dass ich was besser machen könnte. Aber in diesem Fall waren sie der Ansicht, dass es gut sei, also ließen wir es dabei.“
Ben Folds 4 x 30 sek. Songs:
Starte
den BEN FOLDS Media Player
...und Platz 84 in Old Germany.
Ben Folds, LANDED in voller Länge
auf Video:
Quicktime:
RealMedia:
Windows
Modem:
Windows
DSL:
Im Gegensatz dazu hat „Give Judy My Notice“ mehrere Wiedergeburten
erlebt. Die Version auf „Speed Graphic“ ist ganz reduziert, nur
Folds am Piano. Die Fassung auf dem unveröffentlichten Soloalbum hatte
etwas von einem 80er-Glanz. Schließlich bekam der Song einen Country-Einschlag,
dank dem für seine Pedal-Steel-Player berühmten Bucky Baxter, der
schon mit R.E.M. und Bob Dylan gespielt hat.

„Dieser Song zeigt vielleicht am besten, wie das Album aufgenommen wurde“, erklärt Folds. „Wir haben uns entschieden, das Lied aufzunehmen, und irgendjemand sagte: ‚Hey, Bucky ist in der Stadt. Also haben wir ihn gefragt, ob er mitmacht.’ An das nächste, an das ich mich erinnern kann, ist, wie wir mit Bucky zusammen im Studio stehen. Anstatt daran zu denken, dieser Song muss so uns so sein, ließ ich allem einfach freien Lauf. Das gleiche ist mit ‚Time’ passiert. Weird Al Yankovic war gerade in der Gegend, und wir fragten ihn, ob er nicht mitsingen wolle.“
Der schwierigste Song sei „Late“ gewesen,
sagt Folds. Ein Stück über den Singer-Songwriter Elliott Smith,
der sich am 21. Oktober 2003 das Leben nahm. „Ich war mit Elliott auf
Tour und kannte ihn ein bisschen. Seine Musik war total inspirierend für
mich. In Momenten, in denen ich ganz aufhören wollte, Musik zu machen,
in denen ich mit allem aufhören wollte, hat mir seine Musik immer wieder
neue Kraft und neuen Mut gegeben. Und darüber hinaus war einfach ein
feiner Kerl. Das alles in einen Song einfließen zu lassen, auf eine
passende, sanfte Art, ohne irgendein Klischee zu bedienen, ist eine knifflige
Angelegenheit.“
Die Gefahr zu scheitern verunsicherte Folds so sehr, dass er drei Tage brauchte,
bis er die richtigen Zeilen gefunden hatte, Zeilen, die sowohl die Trauer
ausdrücken, Smith verloren, als auch die Freude darüber, ihn gekannt
zu haben. „Ich wollte über den Ellioth Smith schreiben, den ich
während der Tour kennen gelernt hatte. Der schüchtern und verletzlich
wirkte und plötzlich super aggressiv Basketball spielte, und dessen Musik
mich durch ein paar harte Zeiten brachte“, sagt Folds. „und wenn
ich jetzt in irgendeinem schäbigen Club auftrete, voller hin gekritzelter
Respektlosigkeiten an der Decke, dann weiß ich, dass Elliot irgendwo
da draußen ist und wunderschöne Musik macht in der gleichen dreckigen
und stinkenden Umgebung. Dichter sind vielleicht inspiriert, weil sie zum
selben Himmel aufschauen wie Wordsworth. Mich inspirierte, dass ich zum selben
Firmament von ‚Dookie’, ‚Nirvana Sux’ und ‚Eat
Me’ hochblickte wie Elliot. Ich hoffe, einige Leute werden den Song
hören und fünf andere dazu animieren, sich seine Alben zu kaufen
und darüber nachzudenken, was er mit seinen Songs gemeint hat. Wenn ihn
das für ein paar Minuten wieder zum Leben erweckt, dann habe ich meine
Mission erfüllt.“
„Songs for Silverman“ hat zwar kein Leitmotiv, es gibt nichts, das die Songs verbindet, aber alle Lieder, sagt Folds, seien von der Aufregung durchdrungen, die das Trio im Studio bei der Aufnahme verspürt habe. „Manche Alben fangen einen Moment richtig ein“, sagt er. „Auf diesem Album geht es darum, geistig konzentriert zu sein, nicht musikalisch.“
Nach einer Solotour und Soloaufnahmen empfindet Folds die Rückkehr zum vertrauten Set, bestehend aus Klavier, Bass und Schlagzeug, als ziemlich erfrischend. „Klavier, Bass und Schlagzeug sind mir immer schon am natürlichsten vorgekommen. Ich habe irgendwo noch Kassetten rumliegen, die ich mit zwölf aufgenommen habe, und darauf sind auch nur Klavier, Bass und Schlagzeug. Für eine Weile hatte ich das Bedürfnis, was andres zu machen, aber jetzt merke ich, dass Bass und Schlagzeug einfach zu mir dazugehören.“
Er plant zwar, Reynolds and Jamieson mit auf die „Songs for Silverman“-Tour zu nehmen, möchte sich aber alle Möglichkeiten offen halten und vielleicht auch einmal mit anderen Musikern zu touren oder mit noch mehr Leuten ein Album aufzunehmen – oder auch wieder alleine weiterzumachen.