Ben Kweller mit neuer CD


Könnt Ihr Euch noch daran erinnern, als männliche Solo-Rockstars die Charts beherrschten? Als man das Radio nicht einschalten konnte, ohne "Free Fallin'“ oder "Born In The USA“ zu hören? Ben Kweller zumindest kann sich daran noch bestens erinnern. So trägt auch das neue, selbstbetitelte Album des 25jährigen stilistische Verweise an die Zeiten, als Bruce Springsteen und Tom Petty ihrem Roots-Rock-Sound eine neue Aufmachung verpassten und sie so sogar noch berühmter werden konnten.

Auf seinem nunmehr dritten Album für ATO-Records bringt Kweller neben Akustik-, Bass- und elektrischen Gitarren ein beeindruckendes Instrumentesortiment aus Klavier, Glockenspiel, Tamburin, Xylophon, Orgel, Schlagzeug, Mundharmonika und sogar Triangel unter. Die Instrumentalspuren paart Kweller mit glänzenden Vokalharmonien; das Ergebnis ist eine einprägsam melodische und charmant nostalgische Arbeit, mit der er eindrucksvoll seine Multitasking-Qualitäten als Songwriter demonstriert. An dieser Stelle muss auch erwähnt werden, dass das Allroundtalent aus dem texanischen Städtchen Greenville nicht nur eine größere Anzahl von Instrumenten benutzt als auf seinen vorigen Alben; er spielt sie von der Slide-Gitarre bis hin zum Schlagzeug auch noch komplett selbst ein! „Ich hatte großen Respekt davor, alles selbst einzuspielen,“ gibt Kweller zu, „und einige Leute sagten, dass das verrückt sei; aber die besten Sachen entstehen ja immer aus verrückten Ideen.“

Ben Kweller

In dem britischen Produzenten Gil Norton (u.a. Pixies, Foo Fighters) fand Kweller einen motivierenden Sidekick für sein Vorhaben: „Gil hat mich darin bestärkt, allen zu zeigen, dass ich das kann,“ erinnert sich Kweller, „er ist einfach fantastisch darin, das gewisse Etwas in einem Song oder einer Melodie zu finden und es auf den Punkt zu bringen.“ Gemeinsam strebten die beiden ein perfekt produziertes Wall Of Sound-Feeling an. „Mir hat es immer gefallen, rohe Stücke zu nehmen und alles möglichst natürlich und unbearbeitet zu lassen,“ erzählt Kweller, „aber auch das Gegenteil davon kann wirklich schön sein“. In der Tat verkörpert die Produktion von "Ben Kweller“ einen totalen Kontrast zu seinem Vorgänger, dem gekonnt rauen "On My Way“ (2004), das live in einem Raum ohne Kopfhörer und nur wenigen Overdubs aufgenommen wurde. Von seinem aktuellen Album sagt Kweller: „Es gibt einen Unterschied zwischen gekürzt und einfach. Auch wenn man viele Instrumente verwendet, kann immer noch eine gewisse Unmittelbarkeit entstehen, wenn man es richtig anstellt.“

Mit "Ben Kweller“ hat der Künstler seine bisher vielleicht konkreteste Arbeit abgeliefert. Die Texte sind knapp und präzise; die Songs handeln von Themen wie Freiheit und Reisen. Der nostalgische Eröffnungstrack "Run“ gibt den Ton des Albums an, der das Album über den Sommersong "I Gotta Move“ bis hin zu dem nachdenklichen "Penny On The Train Track“ durchzieht, in dem Kweller über eine Begegnung mit einem alten Freund grübelt, der Polizist geworden ist. „Ich habe gerade bei meinem Wal-Mart in Greenville nach einer Mausefalle gesucht, als ich zufällig einen alten Kumpel aus der Highschool wieder traf. Er zeigte mir sein Polizeiabzeichen. In diesem Augenblick wurde mir klar, dass wir alle erwachsen sind - allein der Gedanke, dass jemand, mit dem ich früher Mist gebaut habe, nun ein Bulle ist!“

 

 


 

Ben Kweller


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Das Album besitzt ebenfalls eine Menge der für Kweller typisch schrulligen Liebeslieder sowie Stücke, in denen er sich mit vergangenen Beziehungen befasst wie das melancholische "Sundress“, das mitreißende "Magic“, das bedauernde “Until I Die“ und das konfliktreiche "Nothing Happening“, das vom Verlust von Freundschaft handelt. Und dann gibt es noch das sparsam arrangierte Klavierstück "Thirteen“, das für Kweller der unbestrittene Favorit des Albums ist. „'Thirteen' war ein Durchbruch für mich,“ erzählt er. „Wenn man als Songwriter eine Schwäche für Pop besitzt, hat man immer das Gefühl, große Refrains zum Mitsingen schreiben zu müssen. Mir fällt in letzter Zeit aber auf, dass ich den Schwerpunkt immer mehr auf Gefühl statt auf Standard-Pop-Technik lege. Bei 'Thirteen' habe ich einfach einen Vers nach dem anderen geschrieben und nie das Bedürfnis nach einem Refrain gehabt. Die Worte allein haben den Song davongetragen. Während ich an dem Stück schrieb, kamen diese ganzen Emotionen aus mir heraus. Ich habe an meine Frau Liz gedacht und an all das, was wir in acht Jahren gemeinsam durchgemacht haben. An die Freunde, die gekommen und gegangen sind und an Leute, von denen ich glaubte, dass ich sie kannte und dann war es doch nicht so. Und auch an die unvorhersehbaren Ereignisse, von denen man aus der Bahn geworfen wird; die guten und die schlechten.“

Kweller hat viel erlebt, seit er Mitte der Neunziger die Schule verlassen hat, um mit seiner Teen-Punkband Radish den Rock'n Roll-Weg einzuschlagen. Als sich die Gruppe 1999 auflöste, zog Kweller nach Brooklyn/ NY, um eine Solokarriere einzuschlagen. Er liebäugelte mit New Yorks Anti-Folk-Szene und veröffentlichte im Alleingang eine CD namens "Freak Out It's... Ben Kweller“, auf die Musiker wie Lemonheads-Frontmann Evan Dando, Jeff Tweedy (Wilco) und auch Dave Matthews aufmerksam wurden. Matthews nahm Kweller bei seinem Indielabel ATO unter Vertrag. 2002 wurde der mittlerweile zum College-Klassiker avancierte Longplayer "Sha Sha“ veröffentlicht, der zwischen zerbrechlichem Folk-Pop und derbem Party-Indierock oszilliert. Er legte 2004 mit dem Album "On My Way“ nach, das von der Kritik für seine charmante Sonderbarkeit und seinem ansteckenden Gemisch aus geschmeidigen Harmonien und brillantem Power-Pop bejubelt wurde. Und mit einem Album, das den Rockhelden der Siebziger und Achtziger Referenz erweist, macht Ben Kweller jetzt den nächsten Schritt in seiner natürlichen Entwicklung und setzt dabei vielleicht sogar sein Zeichen als der erste männliche Solo-Rockstar der Gegenwart.

 

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