„Comeback“ wäre wohl nicht ganz das treffende Wort, denn eine Pop-Ikone wie Debbie Harry ist im modernen Musik-Bewusstsein immer gegenwärtig. Lange vor Madonna und Gwen Stefani haben Welt-Hits wie „Heart of Glass“, „The Tide is High“ oder „Denis“ ihr als Sängerin der legendären Gruppe Blondie einen ewigen Platz in der „Rock’n’Roll Hall of Fame“ gesichert. Beide Sängerinnen machen keinen Hehl daraus, dass Debbie Harry ihre „Quelle der Inspiration“ war. Allerdings stammt ihr letztes Album „Debravation“ noch aus dem Jahre 1993. So gesehen ist es eher der längst fällige, willkommene Knalleffekt, dass die Amerikanerin nach zig Millionen verkauften Platten mit „Necessary Evil“ nun ihre sechste Solo-CD präsentiert.
Umso mehr, als Deborah Harry diesmal viele neue Gesichter von sich preisgibt, die man bislang nicht von diesem Weltstar kannte. Nach „Debravation“ hatte sie wieder viel als Schauspielerin, in Filmen und am Broadway, gearbeitet. Außerdem war sie mit der New Yorker Avantgarde-Truppe „Jazz Passengers“ auf großer Tour. Anfang 1999 markierte das Album „No Exit“ und der Single-Hit „Maria“ die Wiederauferstehung von Blondie. Ereignisreiche Zeiten also, wie sie zwar seit je her zu Debbies Karriere gehören, aber noch nie so vielseitig umgesetzt wurden wie auf „Necessary Evil“. Viel Neues auf allen Ebenen: Von den Foto-Shootings über ihr Styling bis hin zum Videodreh in Mahattans Lower East Side hatte sie diesmal alle Fäden in der Hand. Die Fotos fürs Cover-Artwork sind Selbstportraits, die Debbie mit der eigenen Kamera von sich machte. Und selbst die eigene Wahl des Mastering-Studios – traditionell eine Domäne des Plattenlabels – ließ sich Debbie Harry nicht nehmen.
Geprägt von ihren Begegnungen mit Kultur-Pionieren wie Andy Warhol, Giorgio Moroder, Freddy Mercury oder Nile Rogers setzte sie in ihrem Soundverständnis und Modebewusstsein eigene Maßstäbe. Entsprechend handverlesen sind für ihr neuestes Solo-Werk auch ihre superben Begleiter: Produziert wurde „Necessary Evil“ vom New Yorker Spitzenteam Super Buddha (Barb Morrison and Charles Nieland). Des Weiteren haben kreativ mitgewirkt Roy Nathanson von den Jazz Passengers, Bill Ware („Paradise”) und „Toilet Boy“ Guy Furrow („Charm Alarm”). Debbies kongenialer Ex-Lover Chris Stein produzierte die beiden Titel „Jen Jen” und „Naked Eye“.
Das Ergebnis ist ein ungemein abwechslungsreiches Album, auf dem sich die Vielschichtigkeit dieser großen Pop-Persönlichkeit mit topaktuellen Sounds und spannenden Texten zu einem besonderen Musikerlebnis mischen. „Keiner meiner 17 Songs gleicht dem anderen“, sagt Debbie Harry, „jeder erzählt seine eigene Story.“

So ist „Necessary Evil“ ein autobiografisch gefärbtes Meisterwerk, auf dem Debbie Harry all ihre Zerbrechlichkeit, Kampfbereitschaft, Besinnlichkeit und Verträumtheit in die Waagschale warf. Und das mit einem Sex-Appeal, der noch immer atemberaubend ist. „Das wichtigste aber“, so die Künstlerin: „Wie es schon der Titelsong andeutet, ist Necessary Evil ein Album über die Liebe. Unsere Liebesgefühle“, so die Künstlerin, „müssen wir bewahren wie unsere Umwelt. Denn es sind die einzigen Quellen unseres Lebens.“
Tracklisting:
01. Two Times Blue
02. School For Scandal
03. If I Had You
04. Deep End
05. Love With A Vengeance
06. Necessary Evil
07. Charm Redux
08. You’re Too Hot
09. Dirty And Deep
10. What Is Love
11. Whiteout
12. Needless To Say
13. Heat Of The Moment
14. Charm Alarm
15. Jen Jen
16. Naked Eye
17. Paradise

