
Wer „This Ocean Life“ zum ersten Mal in den CD-Player legt, der mag nicht glauben, dass er den neuen „Sound Of Regensburg“ hört. Ein unverkennbar amerikanisch klingender Typ singt und spielt Gitarrenpop mit hypnotischen Refrains und abgefahren-schrägen Texten über Engel und Teufel, die gleichzeitig an ihm zerren, über Zombiefilme – und über seine große unerfüllte Liebe Moni, die ihm seine geliebten Counting-Crows-Platten klaut und ihn schließlich ins Irrenhaus verfrachten lässt, wo er der Fliege an der Wand sein Leid singt. Ganz großes Kino!
Und wer Kellner schließlich zum erstenmal live erlebt, mag noch weniger glauben, was er da hört und sieht. Dieser feine Liedermacher in allerbester angloamerikanischer Tradition trägt die Kleidergröße von Ottfried Fischer, begrüßt die Fans bescheiden mit einem bayerischen „Grias Eich, schee, dass do seid's“ – und haut dann Pop-Perlen raus, als wäre er der uneheliche Sohn von Paul Simon und Art Garfunkel. Kein Wunder, dass sich schon seine Demo-CDs auf den Konzerten verkauften wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Und auch kein Wunder, dass Pop-Fee Katie Melua, als deren Support ihn viele Zuschauer 2008 erstmals erlebten, irgendwann begeistert zu ihm kam und meinte: „Hey Mathias, that 'Rich Man' is a great song!“ Kellner lacht: „Ich hab' nur zu ihr gesagt, 'Thanks Katie, but your songs are great too’. Ich war so baff, mehr ist mir nicht eingefallen.“
Tour demnächst:
Tourdaten : 12.02.09 Berlin , K17* / 14.02.09 Erfurt , Centrum* / 19.02.09 Osnabrück , Rosenhof* / 20.02.09 Hamburg , Fabrik* / 21.02.09 Hannover , Musikzentrum* / 15.03.09 Ingolstadt , Café Durchbruch / 20.03.09 Landshut , Salzstadel / 25.03.09 Bad Tölz , Gasthaus / 08.04.09 München , Ampere / 16.04.09 Regensburg , Alte Mälzereu / 02.05.09 Würzburg , Posthallen
(* = Support FIDDLERS GREEN)

Lob von Stars wie Miss Melua oder von den Bananafishbones, deren Drummer Florian Rein einige Songs auf „This Ocean Life“ produzierte – bis vor kurzem war das eine absurde Vorstellung für Mathias Kellner. Nach seiner Ausbildung zum Schreiner war der junge Musiker ebenso arbeits- wie orientierungslos. „Ich war ein Jahr ziemlich fertig, deprimiert und habe mich in Selbstmitleid gesuhlt. Ein ziemlich selbstzerstörerisches Leben war das“, blickt Kellner zurück. Als Hartz IV anstand, kratzte er gerade noch die Kurve. „Irgendwann hatte ich die fixe Idee, eine Ich-AG als Popmusiker zu gründen und mich vom Arbeitsamt fördern zu lassen.“ Der Mann vom Amt war „not amused“ – „die kennen Ich-AGs nur als Hausmeister oder Nagelstudio. Eine Singer-Songwriter-Ich-AG, das hat sie richtig fertiggemacht.“ Doch Kellner kämpfte, legte einen ausgefuchsten Business-Plan vor – und bekam für drei Jahre seine Förderung.
Ans Fernsehen, an den Weg über Castings-Shows, hat er nie gedacht. „Als der ganze Mist aufkam, hatte ich keinen Fernseher und kannte das überhaupt nicht, kann sich Kellner heute amüsieren. Viel wichtiger aber: „Die ganzen Großen wie Billy Joel, die mich immer fasziniert haben, haben es auch ohne diesen Casting-Kram geschafft. Und da hatte ich meinen Ehrenkodex: Wenn ich es nicht auf dem gleichen Weg schaffe wie diese Leute, dann habe ich es auch nicht verdient.“
Die entscheidende Wende im Leben des Mathias Kellner, das fast so klingt wie die Singer-Songwriter-Version der Karriere von Paul Potts, kam dann durch seinen alten Spezl Andreas „Otto“ Schellinger zustande, dem Bassisten in der Band von Bayernpop-Newcomerin Claudia Koreck („Fliang“). „Er hat mich gefragt, ob ich Lust habe, als Support von Claudia mit auf Tour zu gehen.“ Kellner hatte Lust, begeisterte die Fans ebenso wie Claudias Konzertveranstalter Südpolmusic – der mit ihm nun das Debüt-Album „This Ocean Life“ produzierte. Und darauf findet sich neben der Single „Bees In My Head“ im Übrigen auch der Song vom „Rich Man“ – eines von zwölf Stücken, mit denen Mathias Kellner 2009 nicht nur Katie Melua begeistern wird.
Jörg Heinrich/ TZ München
(Zur Verfügung gestellt von der
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