CD Kurzvorstellungen - gut recherchiert


Sia
Some People Have Real Problems

Hear Music / Universal Music
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(oj) Souligen Pop bietet Sia Furler auf ihrem nun auch in Deutschland nachgereichten vierten Album, keine Rarität ist das freilich, man darf aber konstatieren, dass durch die geschmackvolle, umsichtige Instrumentierung ein spezieller Singer/Songwriter-Einschlag erhalten bleibt, vielleicht erst entsteht. Verträumt, oft selbstreflektiv, hadert sie mit den Themenfeldern Liebe und Verlust der selben, viel bittere Ironie durchsetzt die Texte um Tod und Trennung, die Grundeinstellung aber erscheint niemals so ganz hoffnungslos. Für "Death By Chocolate" erhielt sie prominente Unterstützung, Beck mag da noch nicht einmal ganz überraschend sein, stilistisch gibt es Ähnlichkeiten, auf die Hollywood-Schauspieler Jason Lee und Giovanni Ribisi allerdings muss man erst mal kommen, auch auf den Namen, der vollmundig als mitwirkend vermerkt durch verschiedene Blogs und Medien geistert: Pantera. Der immer um Quellenforschung bemühte Rezensent ergänzt hierbei leicht enttäuscht: Es handelt sich dabei doch eher um einen von Sias Kötern.
Soul Pop
3 von 5 Sternen





Scott Weiland
Happy In Galoshes

Blue Rose / Soulfood
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(oj) Es mag immer noch Leute geben, die halten Scott Weiland für den höchstens zweitbesten Axl Rose und übersehen standhaft, wie groß der Beitrag des Sängers zur zerrupften Lässigkeit beider Velvet Revolver-Platten war. Das sind auch die Menschen, die die Stone Temple Pilots zum One-Hit-Wonder degradieren, über die ich in diesem Heft schon so vieles gesagt habe. Weiland, bipolarer Ex-Junkie und -Knacki, er verarbeitet, diesmal den Tod des Bruders und seine zweite Scheidung, und er fand vor und neben der triumphalen Rückkehr der Pilots (in deren Verlauf er einen mitunter höchst angeschlagenen Eindruck hinterließ) noch Zeit, Material für ein Doppelalbum zu schreiben und seine Autobiographie fertig zu stellen, die erscheint im Frühjahr. Auf “Happy In Galoshes” unterstützen ihn die alten No Doubt (minus Gwen), er schleicht zwischen den Stilen und Stühlen hin und her, seine wandlungsfähige Stimme erlaubt ihm das. 800 Zeichen nur für diesen Monolith aus so ziemlich allem, was zwischen den Beatles (Abteilung Lennon) und den Clash relevant war. Der Mann ist ein Gigant, ein mit Fehlern behafteter freilich - und deswegen immer interessant.
Rock
4 von 5 Sternen







Oliver Jochum stellt vor:
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Scouting For Girls
s/t


Epic / Sony BMG
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(oj) Jedes Jahrzehnt hat so sein verschrobenes Subgenre, das, am reinen Mainstream vorbei, von den großen Labels aufgepickt wird. In den Neunzigern zum Beispiel war das, neben Crossover und Grunge (der freilich zu riesig wurde, um als reines Jahrzehnt-Phänomen durchzugehen) der ominöse “College Rock”, Geschichten wie Buffalo Tom, Dishwalla, Black Lab oder Better Than Ezra. Schon vergessen? Schade, lohnt sich nämlich. “College” mag schlau klingen, aber im Grunde war das so elitär nicht, Alternative Rock mit manch packendem Moment und angemessen viel Schwermut. Der Indie Pop, zu dem ich Scouting For Girls zähle, stellt eben solch ein Untergenre dar, dem gerade erwähnten an und für sich nicht so unähnlich. Man musiziert und textet nicht ganz saudumm, leider machen Druck, Energie und Schwermut diesem typischen, seltsam schludrigen Songwriting Platz, die immer gleichen hymnischen Refrains, ein-Finger-Klavier-Stakkatos, plötzliche Dynamiksteigerungen durch Trommelwirbel und atemlosen Gesang. Nach zweieinhalb Minuten das ganze von vorne, Reizpunkt an Reizpunkt. Musik für den Moment, vielmehr für das Kurzzeitgedächtnis.
Pop
2 von 5 Sternen





1000 Robota
Du nicht er nicht sie nicht

Tapete / Indigo
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(oj) Ein Teenie-Power-Trio aus Hamburch, man stellt sich ein auf rohe Energie, Angepisstheit über verkrustete Strukturen und Zweifel an den Erwartungen, die die Älteren an einen stellen, einfache Alltagsbeobachtungen und Sinnfragen, und das meiste davon trifft tatsächlich zu. Kehlige Schlachtengesänge über stolpernden Breaks, quietschende Licks und Feedback aus billigen Verzerrern, den Bass weit in den roten Bereich aufgerissen, Sätze ohne Punkt und Komma. Man muss der deutschen Sprache noch nicht einmal mächtig sein um die Haltung der drei einigermaßen zu erahnen. Wie die klassischen Fehlfarben auf 45 UpM, frühe Tocotronic auf Wachmachern, ratzfatz hobeln sich 1000 Robota durch die zehn Songs, ein kaum 27minütiges einziges Wuuuschschsch, begonnen mit gekodderten Kinderreimen und beendet mit nüchterner Rekapitulation einer kaputten Beziehung und dass es weiter gehen muss, am besten sofort. Hat was.
Rock
3 von 5 Sternen








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Texte / Fotos:
Oliver Jochum



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