Heut ist der Tag – an dem Stefan Gwildis wieder da ist. Für Außenstehende mag er gar nicht so furchtbar lange weg gewesen sein. Doch er selbst empfand die Zeit, in der er für sein Publikum nicht wirklich präsent war, als gefühlte Ewigkeit.
Nach den durchschlagenden Erfolgen seiner deutschsprachigen
Soul-Alben „Neues Spiel“ und „Nur Wegen Dir“ (und
zwei dazugehörigen Live-DVDs) und nach etlichen umjubelten Konzerten,
für die es manchmal schon nach dem ersten Vorverkaufstag keine Tickets
mehr gab, verordnete sich Deutschlands schwärzeste Soulstimme eine Auszeit
von der Öffentlichkeit. Den Mann aus Barmbek-Süd zog es in den Süden
von Europa.
Stefan Gwildis setzte sich mit seiner Band nach Italien ab. Dort ging man in Klausur. Auf dem Gut eines Freundes in Umbrien blühte der Naturmensch Gwildis richtig auf. „Da gab es Wildschweinalarm und Schlangen-Warnungen“, lacht er. „Mich regt es ungeheuer an, das Wunder der Natur täglich wahrzunehmen. In der Natur muss man nicht lange nach Weisheit suchen. Ich bin fasziniert von den verschiedenen Zyklen und davon, daß sich die Natur im ständigen Wandel befindet“.
In der Abgeschiedenheit von La Razza hat Stefan Gwildis
lange in sich hineingehört, hat seiner Seele den Puls gefühlt, hat
versucht, sich Fragen zu stellen: Wo stehe ich, wer bin ich eigentlich, was
will ich, was will ich nicht. Und was gibt´s eigentlich zum Abendessen?
Aus einem Wust von Gedanken, die immer klarer wurden, wuchsen erst Töne
und dann nach und nach Textbausteine.
Mit seinem langjährigen Schreibpartner Michy Reincke setzte er das um, was uns jetzt vorliegt: „Heut ist der Tag.“ Stefans treue Weggefährten, der Schlagzeuger Martin Langer und der Gitarrist Mirko Michalzik haben, wie schon auf den Vorgängerwerken, als Produzenten die Ideen in Form gebracht.
„Heut ist der Tag“ markiert einen Neuanfang für den Endvierziger Gwildis, der im Leben schon alles gemacht, alles erlebt hat und gewissermaßen vom Reifenhändler zum reifen Künstler avancierte (mit Stationen von den „Strombolis“, über die „Drückerkolonne“ und „Auto Auto!“, um nur einige zu nennen, bis hin zur deutschsprachigen Soul-Gegenwart). Der Titel seiner CD könnte einem auch leicht im Esoterik-Shop oder in einer christlichen Buchhandlung begegnen. Stefan Gwildis lacht: „Stimmt schon. Der Titel hat ganz sicher etwas Spirituelles.“
Auf seinen letzten beiden Alben hat der Großteil
des Materials noch aus Coverversionen bestanden, die sich über ganz neue
und nicht etwa nur übersetzte Texte freuen durften. Jetzt machen die
Fremd-Titel nur noch ein gutes Drittel aus. Lou Rawls, Martha Reeves &
The Vandellas, Bill Withers und die Neville Brothers lieferten Vorlagen, die
Stefan Gwildis und Michy Reincke verwandelten. Der Rest der Songs ist komplett
Marke Eigenbau.

Eigentlich muss man nur die einzelnen Titel des Albums und nicht mal eine
einzige Textzeile lesen, um zu sehen und fühlen, worum es auf „Heut
ist der Tag“ geht. Stefan Gwildis lag einiges auf der Seele und da Seele
auf Englisch Soul heißt, ist schon klar, wie die musikalische Grund-Ausrichtung
auch nach den beiden Top 20-Alben „Neues Spiel“ und „Nur
Wegen Dir“ jetzt wieder lautet. Doch man täte dem Album Unrecht,
wenn man es auf Soul begrenzt: Die Musik darauf ist gospelschwanger und spiritual-durchflutet,
rockgesäumt, popgesättigt, jazzgefärbt. Die Songs schieben
und drücken und grooven, sie machen Laune, zeigen Gefühle und laden
zum Mitmachen ein. Wer beim Titelsong oder bei „Irgendwas Geht Immer“
nicht aus voller Lunge mitsingt, ist taub oder hat keine Seele. Von den knackig-kompakten
Bläsern und gospelseeligen Chören, von den wunderschönen harmonischen
Wendungen, von den vielen Details und der Offenheit der Songs muss man sich
einfach mitreißen lassen – und natürlich auch von dieser
lebensgegerbten Stimme, die so aufgeräumt, so kernig, so tief, so mitteilsam,
so durchdringend, so schwarz klingt wie nie zuvor.
Die neuen Texte drehen sich um Selbstmotivation, ums Loslassen, um Aufbruchstimmung
und Neuanfang, um Spiritualität, darum, den Moment als solchen zu zelebrieren
– auch wenn es nicht immer leicht fällt. Sie sind eine Aufforderung
an sich selbst, nicht immer nur den Blues zu schieben und sich gefälligst
selbst am Grauschopf aus dem Sumpf zu ziehen. Dann kann man auch mit Stolz
verkünden: „Heut ist der Tag“.
Ein Song auf „Heut ist der Tag“ ist übrigens
ein wenig losgelöst vom Rest des Programms: „Hinter Den Gardinen“.
Der Titel ist nicht zufällig auf der CD gelandet. Stefan Gwildis engagiert
sich stark für die Opferhilfe-Organisation „Der Weiße Ring“,
die einer Nachbarin des Sängers sehr geholfen hat.
Überdies zeigt er Eigeninitiative und gründet das sogenannte „Institut
für Lösungen“ – mit dem will er dazu beitragen, Kinder
und Jugendliche aus gefährdeten sozialen Umfeldern herauszuholen und
durch Musiktherapie auf andere Perspektiven zu bringen. Inspiriert wurde die
Idee durch ein Projekt, das Stefans einstiger „Auto Auto!“-Kompagnon
Christian von Richthofen ins Leben gerufen hat.
Stefan Gwildis brennt darauf, das neue Song-Material live
vorzustellen. „Auftritte sind ein Austausch von Energien. Ich gebe viel
und kriege viel zurück. Ich vergleiche meine Live-Gigs immer mit einer
Shiatsu-Massage. Die gönne ich mir gelegentlich. Ich frage mich immer,
ob die Masseurin nicht zuviel Kraft lässt, wenn sie mich bearbeitet.
Aber sie sagt, dass verschiedene Energiepunkte auch zurückstrahlen und
sie deshalb auch etwas von mir kriegt.“ Ab März knetet Stefan Gwildis
mit seinen Mannen die Massen bei einer Deutschland/ Österreich/ Schweiz-Tournee
durch, die 30 Stationen umfasst (Tourstart ist in Vechta, wo Stefan Gwildis
letztes Jahr in einem Frauengefängnis auftrat, was ihn nachhaltig beeindruckt
hat).
Zuvor wird er sein Album „Heut ist der Tag“ am 19.01.06 (dem VÖ.-Tag der CD) bei „3 nach 9“ im NDR live vorstellen und auch die Gesprächsrunde verstärken.
Ab Mitte Januar ist der Hamburger Jung für einige Tage als Wunschgast der legendären „Funk Brothers“ auf Deutschland-Tour.
Am 21. Januar dürfen wir Stefan Gwildis dann im Bremer ARD-Tatort als Schauspieler und Sänger erleben. Er spielt einen Musiker, der gegen die rechte Szene ansingt. Am selben Abend zeichnet Radio NDR 90,3 übrigens ein Gwildis-Konzert im Hamburger Liebermann-Studio auf, das am 26. Januar gesendet wird.
16.03.2007 Vechta Aula der Hochschule Konzert
17.03.2007 Flensburg Campushalle Konzert
18.03.2007 Lüneburg Vamos Konzert
22.03.2007 Mainz Kulturzentrum KUZ Konzert
23.03.2007 Aschaffenburg Colos-Saal Konzert
24.03.2007 Bonn Brückenforum Konzert
25.03.2007 Hannover Capitol Konzert
27.03.2007 Rostock Stadthalle Saal 2 Konzert
28.03.2007 Berlin Admiralspalast Konzert
29.03.2007 Dresden Alter Schlachthof Konzert
30.03.2007 Erfurt Alte Oper Erfurt Konzert
20.04.2007 Kiel Kieler Schloss Konzert
22.04.2007 Olsberg Konzerthalle Konzert
23.04.2007 Düsseldorf Savoy Theater Konzert
24.04.2007 Lingen Emslandhalle Konzert
26.04.2007 Emden Neues Theater Konzert
27.04.2007 Bremen Pier 2 Konzert
28.04.2007 Frankfurt Alte Oper Konzert
29.04.2007 Kassel Musiktheater Konzert
30.04.2007 Stuttgart Theaterhaus Konzert
02.05.2007 Saarbrücken Garage Konzert
03.05.2007 Mannheim Capitol Konzert
04.05.2007 Karlsruhe Festhalle Durlach Konzert
05.05.2007 Kaiserslautern Kammgarn Konzert
06.05.2007 Tuttlingen Stadthalle Konzert
08.05.2007 Wien Wiener Stadthalle Konzert