Mind Control von Stephen Marley - neue CD


Stephen Marley

Solltest du tatsächlich denken, dass du den Sound von Stephen Marley noch nie gehört hast, dann liegst du komplett daneben. Du kennst seine Musik. Gut sogar. Allerdings war dir diese Tatsache bis heute noch nicht bewusst. Als Mitglied der allerorts abgefeierten Marley-Gruppe The Melody Makers, bei der er seit seinem siebten (!) Lebensjahr mitwirkt, hat der mit mehreren Grammys ausgezeichnete Produzent, Sänger, Songwriter und Multiinstrumentalist in der Vergangenheit seine diversen Brüder mit Songs versorgt. Erst kürzlich wurde Stephen für seine Produktions-, Performance- und Schreibfertigkeiten mit zwei Grammys ausgezeichnet; insgesamt besitzt er inzwischen fünf der begehrten Auszeichnungen. Eine Zahl übrigens, mit der er sämtliche seiner Familienmitglieder und generell jeden nur erdenklichen Reggae-Künstler in der Geschichte des Genres in den Schatten stellt. Das wiederum wusste bislang auch keiner.

Im Jahr 1972 als zweiter Sohn von Bob Marley geboren, konnte man Stephen bereits dabei bestaunen, wie er neben seinem Vater und den Wailers (also u.a. auch neben Ziggy und Cedella) auf der Bühne tanzte (und mitsang!), als er gerade erst das Laufen erlernt hatte. Als kleiner Junge verbrachte er viel Zeit im Haus, während Ziggy und Cedella zur Schule gehen mussten. Er beschattete seinen Vater regelrecht, lernte von ihm diverse musikalische Tricks, imitierte seine Sprache und verliebte sich schon bald in (damals: zukünftige) Reggae-Hymnen wie „Lively Up Yourself“. Als Siebenjähriger griff er dann erstmalig zur Gitarre – einer mit Nylon-Saiten allerdings.

Stephen Marley

1979 folgte dann sein Vinyl-Debüt, als er gemeinsam mit Ziggy, Cedella und Sharon, schon damals als The Melody Makers unterwegs, ihre erste Single „Children Playing in the Streets“ veröffentlichte. Nach etlichen Jahren erschien 1985 mit „Play The Game Right“ auch ihr gemeinsames Debütalbum. In der kommenden Dekade sollten die Melody Makers nach und nach in die Fußstapfen ihres Vaters treten: Nicht nur wurden sie mit Grammys überhäuft. Dazu beschallten sie jede noch so entlegene Ecke der Welt mit ihren bewusstseinserweiternden Songs und ihren einzigartigen „One-Love“-Rhythmen.

Bedenkt man nun, dass er in Kürze sein mit Spannung erwartetes (Solo-)Debütalbum veröffentlichen wird, bedeutet das nicht nur, dass der Sound von Stephen Marley nun endlich ins rechte Licht gerückt wird –, es bedeutet auch, dass der 34-Jährige nach einer inzwischen 27 Jahre dauernden Karriere erstmalig die (ganz!) große Bühne betritt. Wie nicht anders zu erwarten, ist „Mind Control“ komplett im Alleingang entstanden. Das Album besticht mit einem eklektischen Mix aus denjenigen Sounds und Styles, die ihm schon immer am Herzen langen: Reggae, Rock, Nyabinghi-Rhythmen, Flamenco und HipHop. „Mind Control“ ist ein Album, auf dem sich dreckige Rock-Anleihen, klassische Kingston-Soundsystem-Einlagen und sogar überaus slicke Miami Range Rovers-Referenzen die klangliche Klinke in die Hand geben.

Neben Gastauftritten von Roots-Rockstar Ben Harper, der New Yorker HipHop-Legende Mos Def und seinem jüngeren Bruder Damian „Jr. Gong“ Marley, findet man auf seinem Debüt u.a. gesellschaftskritische Songs („Mind Control“), politische Stücke („Chase Dem“), aber auch süßliche und tiefschürfende („Hey Baby“) bzw. einfach nur auf Partystimmung ausgerichtete Tracks, wie z.B. die clubtaugliche Latin-Nummer „Let Her Dance“, bei der ihm Maya Azucena & Illestr8 aushelfen.

Stephen Marley


„Um meine Freuden, meine Schmerzen, darum geht’s. Das bin alles ich auf dem Album“, erläutert Marley bescheiden. „Es ist eine Seite aus meinem Buch: Jede Seite erzählt eine Geschichte, und zugleich ist es eine Fortsetzung dessen, was auf der vorangegangenen Seite stand. Oder ein Vorgriff auf die kommende Seite. Aber dieses Album ist und bleibt nur eine Seite.“

Im mit Bläsern durchzogenen Titelstück wirft er einen Blick auf eine moderne Form der Sklaverei, wobei der Text mindestens so „conscious“ wie der Groove monströs ist: „Dieser Song handelt von unterschwelliger Sklaverei, von Hi-Tech-Unterjochung und unbewusster Unterdrückung“, erläutert Stephen. „Dieses System will einen immerfort erdrücken. Es ist ein System, das einen davon abhält, sich wohl zu fühlen.“ So ist der Song als Aufforderung zu verstehen: Jede/r einzelne soll sein Leben zurückfordern, den eigenen Geist befreien, auf die eigene Seele hören – „Don’t let them mold your mind/They wanna control mankind/Seems like their only intention is to exploit the Earth“.

 

Album und Fotos Stephen Marley


Seine Desillusionierung über die gewählten Führer der US-amerikanischen bzw. der jamaikanischen Regierung, die er über dem klassischen Roots-Reggae von „Chase Dem“ besingt, endet sogar mit einer knallharten Ansage für die korrupten Politiker, wenn er mit der Zeile „run them away“ zum Regierungssturz aufruft. Man könnte fast meinen, dass der Song „Chase Dem“ ein übersehenes Juwel aus der Feder von Bob ist, und das, obwohl „Mind Control“ insgesamt absolut nach einer Ausgeburt des 21. Jahrhunderts klingt. Laut eigener Aussage von Stephen, will er mit diesem Song „ein klangliches Plakat aufhängen. Darauf steht: Sagt Nein zu dieser Politik!“

Stephen Marley

Allerdings präsentiert sich der Marley-Sohn auf dem kommenden Album auch von seiner einfühlsamen Seite. Mit einer dezenten Note HipHop versehen, gepaart mit dem Gastauftritt von Brooklyn-Rapper Mos Def, basiert „Hey Baby“, das zugleich die erste Singleauskopplung sein wird, auf einem Song, den Stephen seinen Kindern stets als Schlaflied vorgesungen hat, während er mit den Melody Makers auf Tour war. „Hey baby/don’t you worry/even though the road is rocky/I’ll be coming home to you again“. Auch das hypnotische „Lonely Avenue“ zählt zu seinen empfindsameren Songs: Eine zuckersüße, mit Vokalparts und Keyboards durchtränkte Version des Ray-Charles-Klassikers, allerdings versehen mit dem unverkennbaren Marley-Stempel. „Ich bin ein Riesenfan von Ray“, berichtet Marley. „Ich könnte wahrscheinlich nicht einmal genau sagen, wann ich seine Musik zum ersten Mal gehört habe. Aber ich weiß noch genau, DASS ich ihn gehört habe und seinen Schmerz aus der Melodie raushören konnte.“ Indem er ultramoderne Sounds mit altbewährten Roots-Vibes kombiniert, bringt Stephen das Marley-Erbe mit „Mind Control“ in dieses Jahrtausend, ja, sogar in die Zukunft, wenn er ein Sample von Martina Topley-Bird („Sandpaper Kisses“) für den Song „You’re Gonna Leave“ verwebt.

Außerdem kann man eine Art Trilogie auf dem Album finden: Sie besteht aus den Songs „Officer Jimmy Interlude“, „The Traffic Jam“ (featuring Damian) und „Iron Bars“, bei dem sein anderer Bruder Julian Marley, Mr. Cheeks & Spragga Benz aushelfen. Die Geschichte, die in besagter Trilogie erzählt wird, beruht auf denjenigen Erfahrungen, die Stephen und Julian im Gefängnis von Tallahassee sammeln mussten, als sie im Jahr 2002 dort wegen Marihuanabesitz landeten. Auf „Iron Bars“, demjenigen Song, in dessen Verlauf er nicht ohne Grund „Let me out!/Let me out!/I’m an angry lion!“ singt, fragt sich Stephen schließlich: „What am I doing here, among the wolves? For some herb? It’s like I’m a murderer. Ya know what I mean? Ya make me feel like I’m a murderer, for some herb, where, ya know, it’s my culture.“ Die Behörden sahen das offensichtlich anders.

Stephen Marley

„Fed Up“, ein buntes Genre-Mix, wird von einer Flöten-Einlage getragen, während sich Stephen über sein Fehlverhalten in der Liebe auslässt: „She said, `How could you treat me this way?´/What we had was more than words could say“, während der letzte Song des Albums, „Inna Di Red“ (featuring Ben Harper), noch einmal seine bedächtige Seite präsentiert. Gemeinsam mit Harper meditiert er über seinen inneren Frieden.

Allerdings hat Stephen nicht nur viel Zeit im Studio verbracht, um sein überfälliges Debütalbum aufzunehmen. Er war zugleich die „Geheimwaffe“, die Damian seine letzten beiden Grammys eingebracht hat; und er war es auch, der für diverse Veröffentlichungen von Ghetto Youths International und Tuff Gong verantwortlich war. Seit er im Jahr 1999 als Executive Producer bei den Aufnahmen zu „Chant Down Babylon“ fungierte – jenem starüberladenen Tribut an seinen Vater –, konnte man seine Produktions-Skills u.a. auf den Alben von Buju Banton, seinen Brüdern Julian und Ziggy, Spearhead, Eve, Erykah Badu, Capleton und Mr. Cheeks hören. Er hat als Sänger, Perkussionist und/oder Gitarrist auf sämtlichen Alben der besagten Künstler mitgewirkt, dazu war er sogar als Gast auf einer LP von Eric Clapton zu hören. So verwundert es kaum, dass er auch heute noch all seine Brüder mit den neusten Sounds versorgt. Allerdings steht fest: Auch wenn sie lange Jahre dachten, dass sie das Vermächtnis ihres Vaters am Leben erhalten müssten, so denken Stephen und seine Brüder heute anders darüber: „Das haben wir bereits getan“, erklärt er. „Jetzt sind wir sein Vermächtnis.“

In diesem Jahr hat Stephen zwei Tourneen durch die USA absolviert und das „Bob Marley Roots, Rock Reggae Festival“ gespielt, in dessen Rahmen die Brüder Stephen und Ziggy Marley erstmalig gemeinsam mit dem Reggae-Pionier Bunny Wailer auf der Bühne standen.

Stephen war es, der das Fundament für eine Marley-Renaissance gelegt hat. Mit „Mind Control“ krönt er sein musikalisches Werk der vergangenen drei Dekaden: Es ist ein Album, das vor Selbstvertrauen und Vielfältigkeit buchstäblich zerberstet. Ein Album, das mit so vielen Styles und Emotionen aufwartet, dass einem schwindelig werden kann. „Ich will nicht einfach nur irgendein Künstler sein. Ich will ein Statement machen, die Marley-Fahne weiterhin hochhalten, die Familientradition mit meinen Geschwistern weiterhin zelebrieren. Wie schon meine Brüder... will ich eine feste Größe sein. Jemand, dessen Name Bände spricht. Wenn man meinen Namen hört, soll einem im Handumdrehen klar sein, worum es geht: gute Musik, gute Messages, einen guten Vibe.“

 







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