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Grenzüberschreitende Luftrettung Deutschland - Dänemark

Am 01. April 2005 stationierte die DRF (Deutsche Rettungsflugwacht e.V.) am Krankenhaus Niebüll (Kreis Nordfriesland) einen Hubschrauber, der für Notfalleinsätze und dringende Transporte von Intensivpatienten eingesetzt wird (Dual-Use-Betrieb). Damit fällt auch der Startschuss für die erste grenzüberschreitende Luftrettung zwischen Deutschland und Dänemark. Denn neben seinen Einsätzen im nördlichen Schleswig-Holstein wird der DRF-Hubschrauber auch für Luftrettungseinsätze in Süddänemark alarmiert. Mit diesem Pilotprojekt verbessert sich die Notfallversorgung in den genannten deutschen und dänischen Regionen, vor allem für die Landbevölkerung, die Bewohner der Nordfriesischen Inseln sowie des Westküstenbereichs des dänischen Verwaltungsbezirks Sønderjyllands Amt. In den Sommermonaten profitieren zusätzlich tausende Touristen, die im Norden Schleswig-Holsteins und in Süddänemark Urlaub machen, von den Möglichkeiten der Luftrettung.

Deutsch-dänisches Pilotprojekt

Möglich wird die Einführung einer grenzüberschreitenden Luftrettung zwischen Deutschland und Dänemark durch ein Pilotprojekt der gemeinnützigen Luftrettungsorganisation DRF (Deutsche Rettungsflugwacht e.V.), des dänischen Rettungsdienstbetreibers Falck, des deutschen Landkreises Nordfriesland und des dänischen Verwaltungsbezirkes Sønderjyllands Amt. Die Kooperationspartner haben eine EU-Projektförderung nach Interreg III A beantragt.

Interreg III A ist eine Gemeinschaftsinitiative der Europäischen Union zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen den grenzüberschreitenden Regionen. Ziel ist die Stärkung des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalts in der Europäischen Union. Gefördert wird transnationale und interregionale Zusammenarbeit sowie ausgewogene räumliche Entwicklung.

Ausstattung & Einsatzgebiet des Niebüller Hubschraubers

Der DRF-Rettungshubschrauber mit Funkrufnamen “Christoph Europa 5“ ist optimal ausgestattet, um Patienten bei der Notfallrettung und auf Intensivtransporten medizinisch zu versorgen. Erfahrene Piloten, Notärzte und Rettungsassistenten sind an Bord des Hubschraubers im Einsatz. Die DRF wird zunächst die Piloten und Rettungsassistenten stellen. Ein Teil der Notärzte kommt aus Dänemark, der andere Teil kommt aus deutschen Kliniken der Region.

Für Einsätze auf deutscher Seite alarmiert die Rettungsleitstelle Nordfriesland den Niebüller DRF-Hubschrauber. Für Einsätze auf dänischer Seite alarmiert die Falck-Leitstelle Kolding über die Leitstelle Nordfriesland den Rettungshubschrauber. „Christoph Europa 5“ wird bei Notfalleinsätzen als schneller Notarztzubringer, aber auch für den schonenden Transport von Intensivpatienten zwischen Kliniken eingesetzt. Dazu ist er täglich von 7.00 Uhr morgens bis Sonnenuntergang einsatzbereit. Innerhalb von zwei Minuten nach einer Alarmierung sind Maschine und Besatzung einsatzbereit und können Einsatzorte im Umkreis von 50 Kilometern in maximal 15 Minuten erreichen. Gerade bei Notfällen in ländlichen Regionen oder auf den Inseln im Einsatzgebiet kommt es auf schnelle Hilfe aus der Luft an. So benötigt der Hubschrauber vom Luftrettungszentrum Niebüll aus zum Beispiel nur elf Flugminuten, um auf der dänischen Insel Rømø zu landen, die deutsche Insel Föhr erreicht er in nur sieben Flugminuten.

Um den Hubschrauber in das dänische Rettungssystem einzubinden, haben erfahrene Fluggerätemechaniker der DRF den Hubschrauber zusätzlich mit einer digitalen Kommunikationstechnik ausgestattet, mit der Falck seine dänischen Rettungsfahrzeuge disponiert. Damit ist der Niebüller Hubschrauber der erste mit dieser Funktechnik ausgestattete Rettungshubschrauber in Deutsch-land. Bisher haben in Deutschland lediglich der Rettungsdienst der Flensburger Feuerwehr und das in Niebüll, Kreis Nordfriesland, stationierte Notarzteinsatzfahrzeug diese Zusatzausstattung mit an Bord.

Gründe für die Stationierung in Niebüll

Eine Regionalanalyse des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen Schleswig-Holsteins hatte im Juni 2002 eine Neuordnung der Luftrettung in Schleswig-Holstein gefordert. Dazu gehörte die Abschaffung eines der drei vorhandenen Hubschrauber und die Umstationierung der verbleibenden zwei Hubschrauber innerhalb des Landes. Durch diese Maßnahmen sollten zum einen Kosten eingespart und zum anderen die Notfallversorgung auf den Inseln und Halligen verbessert werden.

Nach langen Verhandlungen einigten sich im April 2004 Vertreter des Sozialministeriums, der Landkreise und kreisfreien Städte, der Arbeitsgemeinschaft Norddeutscher Notärzte, der Hubschrau-ber-betreiber und der Krankenkassen auf folgende Neugestaltung der Luftrettung in der Region:

In Schleswig-Holstein werden auch zukünftig drei Hubschrauber die Luftrettung sicherstellen. Der in Eutin stationierte Hubschrauber „Christoph 12“ bleibt unverändert im Einsatz. Der in Rendsburg stationierte DRF-Rettungshubschrauber „Christoph 42“ wurde zum 24-Stunden-Hubschrauber umgewandelt. Damit ist in der Mitte des Bundeslandes rund um die Uhr ein Hubschrauber für Notfalleinsätze und dringende Patiententransporte verfügbar. Der bisher in Itzehoe stationierte Hubschrauber der DRF wird nach Niebüll verlegt.

 

Durch die Verlegung ihres Hubschraubers von Itzehoe nach Niebüll erfüllt die DRF eine wichtige Forderung der Regionalanalyse der Krankenkassen Schleswig-Holsteins: Die notfallmedizinische Versorgung der Bevölkerung im nordwestlichen Landesteil und auf den Nordfriesischen Inseln und Halligen wird verbessert. Denn im Vergleich zu Boden gebundenen Rettungssystemen ermöglicht die Luftrettung gerade in dünn besiedelten Regionen eine wesentlich schnellere Versorgung der Bevölkerung. Dieses belegt auch eine bundesweite Untersuchung zur Weiterentwicklung der Luftrettung (Quelle: Abschlussbericht zur Phase II – Bestandsaufnahme, Analyse & Bewertung der Luftrettung, Herausgeber: Ausschuss Rettungswesen des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen des Landes Brandenburg, Wolfsfellner Medizin Verlag, 2004). Zum einen kann der Hubschrauber den Notarzt oftmals schneller an einen Einsatzort bringen als ein Rettungsfahrzeug. Zum anderen können Patienten mit dem Hubschrauber innerhalb kürzester Zeit in Spezialkliniken und Zentren der Maximalversorgung transportiert werden.

Durch die Verlegung des DRF-Hubschraubers von Itzehoe nach Niebüll ist zukünftig je ein Rettungshubschrauber im Norden, in der Mitte und im Süd-Osten des Landes stationiert. Die damit verbundene Überlappung der jeweiligen Hubschrauber-Einsatzgebiete stellt zukünftig im ganzen Bundesland eine zeitnahe Luftrettung sicher, auch wenn einer der drei Hubschrauber bereits im Einsatz ist.

Die Notfallversorgung der Bevölkerung im südlichen Schleswig-Holstein wird neben dem Boden gebundenen Rettungsdienst weiterhin durch den Rendsburger DRF-Rettungshub-schrauber „Christoph 42“ (im 24-Stunden-Betrieb) und die Hamburger Rettungshubschrauber „SAR 71“ und „Christoph Hansa“ sichergestellt.

Mit der Stationierung des Hubschraubers in Niebüll erfüllt die DRF darüber hinaus eine zweite wesentliche Forderung der oben genannten Regionalanalyse: die Kostenersparnis. „Schätzungsweise zwanzig Prozent aller Einsätze von ‚Christoph Europa 5‘ werden zukünftig in Dänemark durchgeführt und abgerechnet“, berichtet DRF-Geschäftsführer Steffen Lutz. „Durch diese Kostenverteilung wird die Luftrettung in Schleswig-Holstein langfristig günstiger. Auf diese Weise können weiterhin drei Hubschrauber in Schleswig-Holstein für die Notfallrettung und medizinisch notwendige Patiententransporte eingesetzt werden.“

„Wir sind sehr an der grenzüberschreitenden Luftrettung interessiert, denn bisher gab es keine flächendeckende Luftrettung in Dänemark, die mit dem deutschem System vergleichbar wäre“, sagt Carl Holst, Amtsbürgermeister des dänischen Verwaltungsbezirks Sønderjyllands Amt. „Wir erwarten, dass die Notfallversorgung der süd- und westdänischen Bevölkerung dank dieser Kooperation optimiert wird.“

Der Landrat des Kreises Nordfriesland, Dr. Olaf Bastian, betont den europäischen Charakter des Projekts: „Der Hubschrauber ist ein Musterbeispiel für die funktionierende Zusammenarbeit innerhalb unserer deutsch-dänischen Grenzregion Schleswig/Sønder-jylland. Viele Menschen in beiden Ländern werden ganz persönlich davon profitieren.“

Allan Søgaard Larsen, der Vorstandsvorsitzende des dänischen Rettungsdienstbetreibers Falck, erklärt: „This will be the first rescue helicopter in Denmark and we hope that this cross-border cooperation will make rescue helicopters a national element in the Danish rescue system in a few years.“

Derzeit befindet sich am Standort in Niebüll zunächst ein Provisorium des Luftrettungszentrums. Büro- und Sozialräume für die Besatzung sind übergangsweise im ehemaligen Schwesternwohnheim des Krankenhauses Niebüll untergebracht. Der Bau des eigentlichen Luftrettungszentrums wird voraussichtlich Mitte des Jahres beginnen.

Autor: Pressestelle der DRF

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