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Udo Jürgens in Kiel - Interview mit Udo Jürgens

Udo JürgensCappy Petersen: Herr Jürgens, heute Abend gastieren Sie hier in der Kieler Ostseehalle . Ihre Mutter stammt aus Schleswig-Holstein. Welche Gefühle verbinden Sie damit, für Ihr Publikum hier im ganz hohen Norden zu singen? Gibt es da Unterschiede zu anderen Regionen?

Udo Jürgens: Es gibt absolute Unterschiede, weil ich hier oben familiär sehr stark verbunden bin. Mein Großvater stammt aus Bremen, mein Buch „Der Mann mit dem Fagott“ erzählt ja seine Geschichte, und meine Mutter hat hier ihre Kindheit verbracht. Sie hat immer wieder von dieser Landschaft und der Region geschwärmt. Da ist etwas bei mir hängen geblieben.
Ich fühle mich hier oben mit am wohlsten, fast noch wohler, als in meiner österreichischen Heimat. Ich lebe ja jetzt in der Schweiz, und fühle mich dort auch sehr wohl, aber für mich ist es immer ein Heimkommen, wenn ich in den Norden Deutschlands reise.

Cappy Petersen: Ihre Lieder begeistern ein Publikum jeden Alters. Das ist doch eigentlich ein großes Geschenk, dass man als Künstler ein Publikum von einer so großen Altersspanne hat. Empfinden Sie das trotz der harten Arbeit, die Sie in Ihrer Karriere geleistet haben, auch als ein Geschenk, und wie erklären Sie sich selbst diesen große Zuspruch Ihrer Fans im Alter von 20 - 100 ?

Udo Jürgens: Das ist das größte Geschenk, das ich habe. Ich habe mich immer bemüht, meine Musik nicht für eine Zielgruppe zu machen. Ich finde Zielgruppendenken engt unglaublich ein. Da gibt es Musik, die sich an die Kids richtet, Volkmusik wiederum für die Älteren, beides ist jedoch ein Ghettodenken. Ich bin ganz glücklich darüber, dass alle Generationen zu meinen Konzerten gehen, sich verbrüdern, zusammen ausflippen, Freude haben, oder vielleicht auch zusammen eine Träne verdrücken.

Cappy Petersen: Die Tour heißt „Jetzt oder nie“. Im gleichnamigen Lied singen Sie
von der schlechten Zeit, in der wir offensichtlich gerade leben, und Sie fordern, dass wir wieder die Zukunft erobern müssen und mit der Melancholie Schluss machen.
Was muss Ihrer Meinung nach, vielleicht auch von außen geschehen, damit unsere Gesellschaft wie es weiter heißt:“ wieder das Fliegen wagt“ und „mutig nach vorne sieht“?

Udo Jürgens: Ich habe den Eindruck, dass dies im Augenblick schon der Fall ist. Als ich das Lied vor einem dreiviertel Jahr geschrieben hab, war das noch nicht der Fall. Jetzt geht es aber in eine richtige Richtung. Mit Enttäuschung sieht man dann, dass der deutsche Gewerkschaftsbund, der sich mit dem schönen Namen „ver.di“ zwar einen wunderbaren musischen Namen zugelegt hat, jedoch die Lage mit seinen Aktionen, die zu einem falschen Zeitpunkt kommen, und die falschen Ansätze haben, gefährdet. Ich erlaube mir, diese Bemerkung jetzt mal hier in den Raum zu stellen. Ich glaube, die wissen nicht was sie tun. Man müsste im Augenblick da einmal etwas intensiver nachdenken. Man kann ein Land, das sich in der gegenwärtigen Situation wie Deutschland befindet, nicht auf diese Art und Weise belasten. Wir müssen jetzt zusammen stehen und auch Durststrecken durchstehen. Ich finde es ist ein Rückschlag der da gemacht wird, denn im Großen und Ganzen sind die Anzeichen jetzt richtig.

Cappy Petersen: Diese, Ihre 20. Tournee, wird nach der großartigen Premiere in der Köln Arena von der Presse in den höchsten Tönen gelobt. 40 Termine stehen alleine bis März auf dem Programm. Woher kommt diese unglaubliche Kraft und die Motivation für so einen Unterhaltungsmarathon?

Udo Jürgens: Zum Beispiel aus dem Teller Suppe der gerade vor mir steht (lacht).
Nein, also viel Schlaf natürlich. Und das Publikum gibt mir unendlich viel zurück. Ich gebe alles was ich habe, und die Leute geben mir noch mehr. Ich stehe tausenden Menschen gegenüber. Gestern in Bremen, das war ein Konzert - noch mal 100 Prozent mehr als in Köln. Ich hoffe, dass ich das heute hier in Kiel fortsetzen kann.

Cappy Petersen: Ihre Stiftung, die Udo Jürgens Stiftung, die schwerpunktmäßig Kinder und Waisen in Not unterstützt, hat auch das Ziel, Nachwuchsmusiker zu fördern.
Wie sehen Sie als etablierter Künstler, der seit Jahrzehnten die Showbranche kennt, diese neuartige, schnelllebige Entwicklung von Vermarktung junger Menschen in Talent- und Castingshows wie beispielsweise „Deutschland sucht den Superstar“ ?

Udo Jürgens: Das kann mal funktionieren und sicherlich sind da auch sehr große Talente am Start. Ich habe gerade zufällig mal rein gezappt und eine sehr gute Sängerin gesehen. Aber in der Regel ist das natürlich nicht der Weg, wie Karrieren gemacht werden. Das Karrieren entstehen können, wünsche ich den jungen Leuten. In erster Linie stehen aber die Geschäftemacher da hinter, die die jungen Leute abzocken, und das stört mich daran.

Cappy Petersen: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Heute Abend viel Erfolg und jetzt guten Appetit !

Udo Jürgens: Ich danke Ihnen auch.

Text / Interview Cappy Petersen - Nachdruck und Weiterveröffentlichung nur mit Genehmigung



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