Rund 35 Zusatzjobber beschäftigt der nordfriesische Kreisverband
des Deutschen Roten Kreuzes. »Von Zusatzjobs profitieren alle Beteiligten:
Die Jobber gewinnen Berufserfahrung, neues Selbstvertrauen und bessere Perspektiven
auf einen Arbeitsplatz, und die Bewohner unserer sozialen Einrichtungen sind
mehr als glücklich über die vielen Hilfestellungen, die die Zusatzjobber
ihnen geben«, erklärt der Geschäftsführer des Kreisverbandes,
Frank Millack. Mit insgesamt 240 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
zählt der Verband zu den größten Arbeitgebern der Region.
Das Instrument der Zusatzjobs schuf die Bundesregierung Anfang 2005 mit der Hartz IV-Reform: Öffentliche und andere, nicht auf Gewinnerzielung ausgerichtete Arbeitgeber können Arbeiten, die im öffentlichen Interesse liegen, aber aus finanziellen oder anderen Gründen unerledigt bleiben, an Langzeitarbeitslose vergeben. Dafür gibt es neben einer Chance, sich zu bewähren, einen Euro pro geleisteter Stunde zusätzlich zum Arbeitslosengeld II. Die meisten Zusatzjobs enden nach einem halben Jahr.
Das DRK setzt die meisten Zusatzjobber in seinen stationären
Pflegeeinrichtungen ein. Das sind das Altenheim in der Husumer Goethestraße
und das Haus Sprackelbarg in Struckum. Die Zusatzjobber gehen mit den alten
Leuten spazieren, lesen ihnen die Zeitung vor oder erledigen Einkäufe
für sie. »Für all diese Dinge bleibt in dem von engen Pflegesätzen
geprägten Heimalltag kaum noch Zeit. Sie sind aber sehr wichtig, damit
unsere Bewohner ihren Lebensabend wirklich genießen können«,
beschreibt die für das Personalwesen Verantwortliche des DRK, Margrit
Meißner, das Dilemma.
Doch es gibt auch Dinge, die die Zusatzjobber nicht dürfen. Etwa das
Waschen und Anziehen der Bewohner sind klassische Tätigkeiten, die zum
Berufsbild der Altenpfleger gehören und auch nur von diesen ausgeführt
werden dürfen. »Wir achten sehr darauf, dass durch die Zusatzjobs
keine regulären Arbeitsplätze gefährdet werden. Schließlich
geht es darum, Arbeitslose wieder in Arbeit zu vermitteln und nicht darum,
neue Arbeitslose zu schaffen«, betont Meißner.
Sie beobachtet, dass die Zusatzjobber vom fest angestellten Personal schnell ins Tagesgeschäft integriert werden: »Bei uns gibt es ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl, und von den Mitarbeiterinnen höre ich öfter die Frage, wie wir es nur ohne unsere Zusatzjobber schaffen sollten«. Viele Langzeitarbeitslose mussten jahrelang ohne das Gefühl leben, gebraucht und akzeptiert zu werden. Entsprechend gering ist bei manchen das Selbstbewusstsein. »Die Tätigkeit bei uns baut sie innerlich wieder auf, wodurch sie natürlich auch für den ersten Arbeitsmarkt wieder attraktiver werden«, freut sich Margrit Meißner.
Sie bestätigt die Existenz des »Klebeeffekts«: Wer sich als Zusatzjobber durch besondere Leistungen profiliert, dem wird nicht selten ein sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplatz angeboten. »Gute Leute können sich auch in unseren hauseigenen Weiterbildungskursen zum Pflegehelfer qualifizieren. Wir selbst haben bereits 14 unserer ehemaligen Zusatzjobber fest angestellt, die meisten davon mit unbefristeten Verträgen. Auf diese Weise kann so ein Job zu einem Beruf werden und damit zu neuen Perspektiven führen«, sagt Frank Millack.
Nicht alle Zusatzjobber beim DRK arbeiten direkt mit Altenheimbewohnern: »Fünf weitere betreiben die Kleiderkammer und das Möbellager. Ohne ihre Hilfe würden wir diese beiden Einrichtungen sofort schließen, denn in diesen harten Zeiten müssen auch soziale Einrichtungen wenigstens kostendeckend arbeiten«, betont Millack.
Alle Angebote für Zusatzjobs in Nordfriesland werden in eine Datenbank aufgenommen, die von der Kreisverwaltung gepflegt wird. Sämtliche Fallmanager in den sieben nordfriesischen Sozialzentren greifen auf sie zu. Insgesamt stehen rund 1.600 Jobs zur Verfügung, von denen zurzeit fast 1.000 besetzt sind.
Autor: Slopianka, Hans-Martin, 27.06.2006
Quelle: Amt für Jugend, Familie und Soziales